Museale Geschichte(n) der Bauhaus-Familie

Kreis Gütersloh (dop) – Bauhaus – das ist mehr als der freischwingende Stuhl, die halbkugelige Teekanne oder eine zeitlose Architektur. Das vor 100 Jahren gegründete Bauhaus, das in allen Bereichen die Lebensvorgänge neu gestalten, die Welt neu denken wollte, gilt als die Talentschmiede der Moderne. Entsprechend wird es gefeiert. Allein in Nordrhein-Westfalen mit 40 Ausstellungen. Eine davon ist bis Juli im Haller Museum zu sehen.
 

Legt Hausherrin Ursula Blaschke den Schwerpunkt ihrer Schauen normalerweise auf Kindheits- und Jugendwerke großer Künstler, so präsentiert sie diesmal Kunst, Kreatives und auch viel Kurioses aus der Bauhaus-Familie. Zu sehen sind Werke sowohl von namhaften Vertretern wie Klee, Kandinsky oder Schlemmer als auch von deren weniger bekannten Schülern und Weggefährten.

Da ist zum Beispiel Friedrich Tschaschnig (1904 – 2008). Er emanzipierte sich am Bauhaus in Dessau von der gegenständlichen Malerei hin zum abstrakten Expressionismus, dessen flirrende Farbgestaltung in Halle gleich mehrfach zu begutachten ist. Und das nicht zum ersten Mal.


 
Ursula Blaschke informiert auf vielfältige Art und Weise in ihrem Museum in Halle über „Die Bauhaus-Familie“. Bild: Pieper
 

Da ist der Maler, Möbeldesigner und Architekt Heinrich Neuy (1911 – 2003), der bei Josef Albers und Mies van der Rohe lernte. Blaschke stellte ihn schon vor 20 Jahren aus. Sie hat aus der Zeit noch – nebst gemeinsamen Fotos – ein von ihm gemaltes Haller Wappen auf Holz – Lilien mit dem Ravensberger Sparren.


Da ist Ida Kerkovius (1879 – 1970), Meisterschülerin von Adolf Hölzl und später mit Oscar Schlemmer und Alexej von Jawlenski befreundet. Sowohl in ihrer Malerei als auch in ihren Textilarbeiten wusste sie das Streben nach Farbharmonien mit der durchdachten Bauhaus-Formkomposition zu verbinden. In Halle ist sie unter anderem mit einem Selbstporträt vertreten.

Es gibt eine sehenswerte „Maschinenfrau“-Zeichnung von Hannah Höch, die 1932 in Dessau ausstellen wollte. Was durch die Schließung des dortigen Bauhauses durch die Nazis aber verhindert wurde.


Bestaunen kann man in dem mittlerweile längst zur dreistöckigen Wunderkammer mutierten Museum zudem das „Küchenbild“, das der spätere Maler, Kunsthistoriker und Theaterregisseur Felix Klee, Sohn vom legendären Paul, als Jugendlicher am Küchentisch zusammen mit dem Nachbarn Wassily Kandinsky gemalt hat.


Eine Führung durch die Ausstellung lohnt sich. Denn Ursula Blaschke weiß vor allem mit ihren Geschichten zu dem von ihr weitgefassten Bauhaus-Thema immer wieder zu verblüffen. Und das nicht nur wenn sie beispielsweise von Franz Ehrlich (1907 – 1974) erzählt. Der Designer aus der Bauhaus-Schmiede wurde von den Nazis als Kommunist verhaftet und ins KZ Buchenwald deportiert. Dort zwang man ihn, die menschenverachtende, zynische Tor-Inschrift „Jedem das Seine“ zu gestalten. Im Bauhaus-Stil.


Quelle: Die Glocke, 3.9.2019

Öffnungszeiten / Preise

Das Museum ist an folgenden Tagen geöffnet:

Samstag – Sonntag Dienstag und Mittwoch
15:00 bis 17:00 Uhr Nur nach tel. Vereinbarung

Eintritt: 8 € pro Person (Sonderpreise je nach Ausstellung)

Die Besonderheit unseres Hauses ist die kostenlose Führung sowohl für Einzelbesucher als auch für Gruppen, Firmen und Institutionen unterschiedlichster Zusammensetzung aus dem In- und Ausland. Projekte zur Dauerausstellung bzw. zu der jeweiligen Sonderausstellung finden bei Jung und Alt große Resonanz; Termine hierfür bitte rechtzeitig abstimmen.

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